LSFI Impact Investing Advisory Board (IIAB)
Das LSFI Impact Investing Advisory Board (IIAB) hat eine Definition für Impact Investing erarbeitet, die auf das luxemburgische Finanzökosystem zugeschnitten ist. Ziel ist es, eine klare, umsetzbare und global abgestimmte Definition bereitzustellen, die ein gemeinsames Verständnis auf dem gesamten Markt fördert. Auf dieser Seite wird die Definition vorgestellt und ihre Grundlagen erläutert.
Warum es wichtig ist, Impact Investing zu definieren
Luxemburg nimmt im Bereich Impact Investing weltweit eine führende Rolle ein, als Finanzzentrum mit einer einzigartigen grenzüberschreitenden Investitionsinfrastruktur und einem vielfältigen Ökosystem aus Investoren, Dienstleistern und öffentlichen Einrichtungen. Die Festlegung einer gemeinsamen Definition von Impact Investing trägt dazu bei, dass:
- Ein gemeinsames Vokabular für alle Beteiligten entwickeln.
- Die Glaubwürdigkeit und Transparenz von Impact-Strategien erhöhen.
- Luxemburgs Rolle als Kompetenzzentrum für Impact Investing stärken.
- Die Abstimmung mit internationalen Gremien sicherstellen, darunter die Global Steering Group Impact (GSG Impact), das Global Impact Investing Network (GIIN) und das European Impact Investing Consortium (EIIC).
Diese Definition stützt sich auf internationale Rahmenwerke und berücksichtigt gleichzeitig die besonderen Gegebenheiten, Marktpraktiken und das regulatorische Umfeld Luxemburgs.
Luxemburg Impact Investing Definition
Nach Ansicht des IIAB umfasst Impact Investing:
- Investitionen, die mit der Absicht getätigt werden, neben einer finanziellen Rendite zur Lösung sozialer und/oder ökologischer Probleme beizutragen,
- die Messung und Steuerung positiver und negativer Auswirkungen,
- die Nutzung der Infrastruktur der Finanzmärkte,
- zur Finanzierung von Unternehmen oder Projekten, die Lösungen für soziale oder ökologische Herausforderungen anbieten.
Die Definition verstehen
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Intentionalität & Lösungsorientierung
Intentionalität ist ein wesentliches Merkmal des Impact Investing. Investoren müssen ihre erwarteten Auswirkungen im Vorfeld klar formulieren, in der Regel anhand einer „Theory of Change“.
Dieser lösungsorientierte Ansatz konzentriert sich auf die Bedürfnisse benachteiligter oder schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel:
- Von Frauen geführte Unternehmen in Schwellenländern,
- Kleinbauern, die klimafreundliche Technologien benötigen, oder
- Gemeinschaften, denen der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen fehlt.
Durch die Einbeziehung des Zusatzes „neben einer finanziellen Rendite“ stellt die Definition sicher, dass finanzielle und wirkungsbezogene Ziele als komplementär behandelt werden, ohne dabei ein bestimmtes Niveau der finanziellen Rendite vorzuschreiben.
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Messung und Steuerung positiver und negativer Auswirkungen
Die Auswirkungen müssen aktiv gemessen und gesteuert werden, einschließlich der Ermittlung unbeabsichtigter Folgen.
Beispiele hierfür sind:
- Investitionen in den Wohnungsbau, die Schutzmaßnahmen beinhalten, um Verdrängung zu verhindern und die Erschwinglichkeit zu gewährleisten.
- Projekte im Bereich erneuerbarer Energien, die Ökosysteme schützen und Schäden für lokale Gemeinschaften vermeiden.
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Nutzung der Finanzmarktinfrastruktur
Ein wesentliches Merkmal des Ansatzes der IIAB ist die Anerkennung der Finanzmarktinfrastruktur als entscheidender Treiber für Impact Investing, ein Bereich, in dem Luxemburg eine Vorreiterrolle einnimmt.
Zu den relevanten Komponenten gehören:
- Rechtsformen (z. B. UCITS, SICAVs, RAIFs), die maßgeschneiderte Impact-Strategien ermöglichen.
- Fondsverwalter und Verwahrstellen, die für eine solide Unternehmensführung, Transparenz und die Einhaltung von Vorschriften sorgen.
- Prüfungs- und Auditdienstleistungen, die Impact-Angaben validieren und das Vertrauen der Anleger stärken.
Dies spiegelt Luxemburgs Rolle als grenzüberschreitender Hub wider, in dem Fondsstrukturen und Dienstleister eine wesentliche Rolle dabei spielen, positive Auswirkungen zu erzielen.
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Finanzierung von Unternehmen und Projekten, die sich sozialen oder ökologischen Herausforderungen widmen
Die Definition berücksichtigt die Perspektive auf der Ebene der Vermögenswerte und stellt so sicher, dass sowohl die Absichten der Investoren als auch die finanzierten Lösungen aufeinander abgestimmt sind.
Dieser Ansatz ist inklusiv und gilt für:
- Unternehmen, deren Kernaufgabe darin besteht, einen Wandel zu bewirken,
- Unternehmen, die zwar nicht in erster Linie auf diese Wirkung ausgerichtet sind, aber dennoch zu einem Systemwandel beitragen, sowie
- Instrumente wie börsennotierte Aktien, Blended-Finance-Strukturen und nachhaltigkeitsgebundene Kredite.
Diese Investitionen müssen zudem ihre positiven und negativen Auswirkungen messen und steuern, um die von ihnen geförderten Lösungen in der Praxis zu überprüfen.
Wer ist betroffen
Die IIAB-Definition ist so konzipiert, dass sie für das vielfältige Ökosystem Luxemburgs relevant ist, darunter:
- Vermögensverwalter,
- Vermögensinhaber, insbesondere institutionelle Anleger (Pensionsfonds, Versicherungen),
- Öffentliche Investoren (z. B. EIB, SNCI),
- Fondsverwalter, Wirtschaftsprüfer und andere Dienstleister sowie
- Philanthropische Organisationen und Katalysator-Kapitalgeber.
Warum ist das für Luxemburg von Bedeutung
Impact Investing wächst rasant. Nach Angaben des Global Impact Investing Network (GIIN) beliefen sich die weltweiten Impact-Investing-Vermögenswerte im Jahr 2024 auf 1,57 Billionen US-Dollar, wobei seit 2019 ein jährliches Wachstum von 21 % zu verzeichnen war. Auf Europa entfallen 53 % des weltweiten verwalteten Impact-Vermögens[2].
Luxemburg nimmt eine bedeutende Position ein:
- 27% der weltweiten Impact-Fonds für private Vermögenswerte sind in Luxemburg ansässig (27.9 Mrd. USD verwaltetes Vermögen)[3].
- Das Land beherbergt mindestens 60 blended finance funds ($12bn AUM)[4].
- Auf die Luxembourg Green Exchange (LGX) entfallen 42 % der internationalen Notierungen nachhaltiger Anleihen[5].
Die Definition unterstützt Luxemburgs Bestreben, seine Führungsrolle zu stärken, indem sie für Klarheit, Konsistenz und Glaubwürdigkeit im gesamten Ökosystem sorgt.
[2] Quelle: Global Impact Investing Network (GIIN), “Sizing the Impact Investing Market 2024,” Oct. 2024.
https://thegiin.org/publication/research/sizing-the-impact-investing-market-2024/
[3] Quelle: Luxembourg for Finance (LFF), “Luxembourg: The Home of Impact Finance,” January 2025.
https://www.luxembourgforfinance.com
[4] Quelle: Luxembourg Sustainable Finance Initiative (LSFI), “Blended Finance in Luxembourg Factsheet,” January 2025.
https://lsfi.lu/resources
[5] Quelle: Luxembourg Stock Exchange (LuxSE), “Luxembourg Green Exchange Overview,” December 2024. https://www.luxse.com/lgx
Wir freuen uns über Rückmeldungen von Akteuren aus dem gesamten Finanzsektor; sollten Sie Anmerkungen zu dieser Definition haben, wenden Sie sich bitte an iiab@lsfi.lu.
Weiterer Kontext und Abstimmung
Die IIAB-Definition ist zwar auf Luxemburg zugeschnitten, steht jedoch im Einklang mit:
- Den Kernmerkmalen des Impact Investing des Global Impact Investing Network (GIIN),
- Den Arbeiten des European Impact Investing Consortium (EIIC) zur Harmonisierung von Impact-Kriterien,
- Den globalen Praktiken, die sich aus dem GSG Impact-Netzwerk ergeben, sowie
- Europäischen Vorschriften wie der SFDR und der EU-Taxonomie.
Dadurch wird sichergestellt, dass der luxemburgische Rahmen global relevant und international anerkannt ist.
Die historische Entwicklung des Impact Investing
Impact Investing hat tiefe Wurzeln in ethischen und sozial verantwortlichen Anlagepraktiken:
- Die Anfänge des auf Ausschlusskriterien basierenden Investierens liegen in religiösen und ethischen Bewegungen.
- Im 20. Jahrhundert kam es zum Aufschwung des Socially Responsible Investing (SRI), insbesondere während der Bürgerrechts- und Antikriegsbewegungen.
- ESG-Konzepte wurden Anfang der 2000er Jahre formalisiert (UN-Initiative „Who Cares Wins“, UNPRI).
- Der Begriff „Impact Investing“ tauchte 2007 auf einer Konferenz der Rockefeller Foundation auf und führte zur Gründung des GIIN sowie zur Entwicklung von Standards wie IRIS und GIIRS.
- Seit den 2020er Jahren hat sich Impact Investing etabliert, unterstützt durch Blended-Finance-Ansätze und die weltweiten Bemühungen zur Erreichung der SDGs.
Diese Entwicklung prägt die heutige Definition und unterstreicht die wachsende Bedeutung gezielter, messbarer Wirkung.
Wir freuen uns über Rückmeldungen von Akteuren aus dem gesamten Finanzsektor; sollten Sie Anmerkungen zu dieser Definition haben, wenden Sie sich bitte an iiab@lsfi.lu.

